Rausenbruck (Strachotice)

 

Unterdorf mit Mühlgraben


Die Marktgemeinde Rausenbruck (Strachotice) ist eine selbstständige Katastralgemeinde und liegt 12 km südöstlich von Znaim, 202 m über dem Meeresspiegel an der Straße von Znaim nach Joslowitz am rechten Ufer der Thaya.

Rausenbruck war bis 1945 eine rein deutsches Dorf.

Auf dem Dorfplatz steht eine geräumige Kirche, die in ihrer jetzigen Gestalt 1744 erbaut und dem hl. Georg geweiht wurde. Bei der Kirche befindet sich auch ein Beinhäusl. Es ist aber beurkundet, daß es bereits 1160 eine St. Georgskapelle gab und daß um 1500 eine Kirche erbaut wurde. Rausenbruck wurde erstmals im Jahre 1190 unter dem Namen Strachotin genannt, in einer Schenkungsurkunde vom 25.10.1190, schenkt der Fürst Otto von Prag dem Kloster Bruck einen Hof in Strachotice.

Der deutsche Ortsname scheint von einem Adelsgeschlecht zu stammen, welches im 12. Jahrhundert mit unserem Heimatort belehnt wurde.

1325      erhalten die Brüder Benedikt und Bohuš (Bohusch) von Rausenbruck von König Johann für besondere Dienste das Dorf zum Lehen, auch zum Erbe für ihre männliche Nachkommenschaft, nach Glatzer Recht.

1341      Markgraf Karl von Mähren, der in Brünn residierte.

Erhebt Rausenbruck zu einem Städtchen.

 

1342      Rausenbruck erhält von Kaiser Karl IV das Marktrecht, verbunden mit dem Recht, einen Galgen aufstellen zu dürfen.

1370 und 1385  besaß es ein Herrmann

1392       Markgraf Jodok bestätigt in 2 Urkunden Rausenbruck ihre Rechte

1438      Ein Sigismund ist der Besitzer, der es an das Geschlecht derer von Weitmühle verkauft.

1511    wurde es von König Wladislav dem Johann von Weitmühle aus dem Lehen gelassen worauf

1522      29.3. Sebastian von Weitmühle Rausenbruck dem Kloster tauschweise überließ

1591    Auf Bitten des Abtes von Bruck bei Kaiser Rudolf II. darf Rausenbruck ein dem Kloster Brucker ähnliches Wappen führen

1702    Aus Gnade überlässt der Brucker Abt den Rausenbruckern das Weingebiet Neßlowitz

1703    Rausenbruck erhält vom Brucker Abt das Weinschankrecht wieder zuerkannt

1764    verkauft Kloster Bruck in Rausenbruck den Hradschin an den Müller von Neßlowitz Andreas Prigl

1789      Der Meierhof wird unter die Ansiedler aufgeteilt, so entstehen 2 Dominikalhäuser (Johann Wild und Franz Hackel), außerdem werden 32 neue siedlerstellen errichtet, jeder Siedler erhält 5 Metzen (=ca. 1 ha) Herrschaftsfelder zugeteilt.

Die neuen Häuser heißen 1. und 2. Häusln.

 

Der Name des Ortes ( Die unterschiedlichen Schreibweisen müssen nicht bedeuten, daß der Ort tatsächlich unterschiedliche Namen hatte. Es drückt nur aus, wie ihn die Schreiber verschiedener Urkunden verstanden haben und wie sie ihn zu schreiben vermochten.)

 

1190 finden wir den Namen Strachotin

1316                                         Rauszenbruk

1342                                         Raussenbruk

1351                                         Rausenpruk

1368                                                                                  Rawsenbrug

1392                                                                                  Rausenbruck (wie z.B. 1945)

1406                                                                                  Raussenbruck

1409                                                                                  Rausmbruck

1417                                                                                  Rayssmpruc

1418                                                                                  Rauspruk

1420                                                                                  Rawsenbruk

1447                                                                                  Rausmpruk und Rawssenpruk

Später nur noch Rausenbruck

 

In Rausenbruck gab es mehrere Ödungen. Die Ödung Gnast ist seit 1498 verödet.

Ödung Niemschitz seit etwa 1500 verödet, Ödung Popowitz bis 1340 nach Rausenbruck eingepfarrt, dann nicht mehr genannt, Ödung Neßlowitz im 30 jährigen Krieg eingegangener Ort, Mühle und schlossartiger Sommersitz der Prälaten vom Kloster Bruck. Die Felder wurden 1374 der Gemeinde einverleibt, Ödung Petrowitz um 1600 verödet, heute Rausenbrucker Felder.

 

 

 

Schule

1860 gab es 126 schulpflichtige Kinder

1900 Eröffnung der 3 klassigen Schule

Seit 1912 gibt es die 4 klassige Volksschule

Seit 1922 gab es einen Kindergarten

Seit 4.4.1859 gab es eine Poststation in R.

 

Gemeindefläche – Einwohner – Gewerbe - Einrichtungen

 

Das Gemeindegebiet hat eine Fläche von 966 ha, größtenteils in der Thayaebene.

1945 hatte Rausenbruck 268 Häuser und 1050 Einwohner, alle röm.-kath.

 

Die Einwohner waren überwiegend Landwirte oder in der Landwirtschaft tätige.

Es gab auch verschiedene Handwerker und Gewerbetreibende:

 

Art des Gewerbes                  Anzahl im Ort

Gasthäuser                                       2

Gemischtwarenhandlung                 2

Schmieden                                        3

Wagner                                              2

Schreiner (Tischler)                          3

Schuster                                            2

Binder (Küfer)                                   2

Schneider                                          2

 

An Einrichtungen gab es:

Gemeindekanzlei

Gendarmerieposten

Postamt

Feuerwehrhaus

Doktorhaus

Armenhaus

Spar- und Darlehenskasse

Milchgenossenschaft

Hirtenhaus / Stierstall

Isolierspital

Pfarrhaus mit 3 ha. Grund

 

Straßen und Gassen

1.                   Ober Ort

2.                   Unter Ort

3.                   Neustift

4.                   Pfarrgasse

5.                   Im Winkl

6.                   Kaiserberg

7.                   Znaimer Straße

8.                   Hradschin

9.                   1. Häusln

10.               2. Häusln

11.              Sulzstraße

12.              Sechshaus

13.              Schazgasse

14.              1.Gassen

15.              2.Gassn

16.              Friedhofgasse

17.              Miezmannser Häusln

 

Interessant ist, daß ein Ortsteil „Am Hradschin“ hieß, wo die Häuser Nr. 1 und die Nr. 2 standen. Unter den Häusern war der Gemeindekeller und 14 kleine Keller. Die Bezeichnung Hradschin könnte darauf hindeuten, daß sich hier einmal eine Burgstätte oder eine sonstige befestigte Anlage befunden hat.

 

Baudenkmäler

Heldendenkmal, früher Kaiser- Franz-Joseph-Denkmal, ca. 5 – 6 m hoch mit der Büste von Kaiser Franz Josph, nach dem 1. Weltkrieg mit einem ca. 75 cm hohem knienden Engel, stand am Kaiserberg.

Kriegerdenkmal auf dem Friedhof, va. 2,5 m  breit und 3 m hoch mit 46 Fotografien der Gefallenen des 1. Weltkrieges unter Glas.

Statuen: Hl. Florian von 1349, Dreifaltigkeitssäule von 1727, schmerzhafte Muttergottes von 1757 und der Hl. Nepomuk

 

 

 

Ehrenbürger von Rausenbruck  (Ernennungsjahr in Klammern)

Abt Dr. Ernest Hauswirth, geboren in Rausenbruck, war Prälat vom Schottenstift in Wien (1893)

Oberlehrer Johann Leitner              (1884)

Reif, Franz, Gemeinde Arzt von Rausenbruck, geboren in Rausenbruck (1894)

Pfarrer Hugo Frimmel, Pfarrer in Rausenbruck (1894 )

 

Trinkwasser

Es gab 3 öffentliche Brunnen, außerdem in fast jedem Haus ein Pumpbrunnen, 6 – 8 m tief, gutes Trinkwasser. Zum Kochen von Fleisch oder Hülsenfrüchten wurde Thayawasser benützt.

 

Elektrischer Strom: Im Dorf wurde bereits 1916 die Elektrizität eingeführt.

 

Vereine:

18.12.1893: Gründung des Unterstützungsvereins gedienter Soldaten (Veteranenverein)

7.4.1895 : Gründung der Spar – und Darlehenskasse für die Gemeinden Rausenbruck, Dörflitz und Miezmanns, später hieß sie Raiffeisenkasse

1898 wird der Konsumverein gegründet

16.6.1899: Gründung der freiw. Feuerwehr, 1900 Anschaffung einer Spritze

1900: Gründung der Ortsgruppe Rausenbruck des“ Bund der Deutschen Südmährens“.

1911: Gründung der Milchgenossenschaft und Bau einer Sammelstelle, die Milch wurde von der Sammelstelle täglich mit dem Pferdefuhrwerk in die Molkerei nach Hödnitz gebracht.

7.5.1922: Gründung des deutsch völkischen Turnvereins

15.4.1923: Gründung des deutsch-christlichen Burschenvereins „Edelweiß“.

 

Brauchtum

Am Neujahrstag gingen die Kinder zu der Verwandtschaft  um ein gutes Neues Jahr zu wünschen, wobei sie einen Neujahrsspruch aufsagten und dafür Geld bekamen.

Fasching – dauerte 3 Tage, am Faschingsdienstag gab es einen Umzug der Faschingsnarren, am Aschermittwoch wurde der Fasching symbolisch zu Grabe getragen.

Ostern: Am Gründonnerstag um 12 Uhr begann das ratschen durch das ganze Dorf. Die Schulentlassbuben waren die Aufseher, die dafür sorgten, daß der Ratschenzug in „Reih und Glied“ verlief. Die größeren Buben gingen mit Ratschen, eine Art Schubkarren mit einem Rad, die kleineren hatten Holzgöcklein durchs Dorf und luden zum Beten und Kirchgang ein.

Zum Beispiel sagten sie um 12 Uhr: „Wir ratschen wir ratschen den englischen Gruß, den jeder katholisch Christ beten muß“. Zum Gottesdienst : „wir ratschen, wir ratschen zerscht und zaum.

Am Samstag früh sagten sie: „wir ratschen, wir ratschen zerscht und zaum zum letzten mal“.

Anschließend gingen sie Eier einsammeln. Die Glöckler bekamen 3-4 Eier, die Ratscher 6-8 Eier, der Rest wurde unter die Aufseher, 50 – 100 Eier je Aufseher, je nach Jahrgangsstärke, aufgeteilt.

Am Ostersonntag gingen die Kinder zur Verwandtschaft , um Ostereier zu bitten.

Zu Lichtmeß, 2. Februar, wechselten die Diensboten ihren Herrn oder sie blieben ein weiteres Jahr.

 

Schnitterhahn und Federhahn

Zum Abschluß der Ernte  und der Weinlese gab es, ebenso wie beim Federnschleißen ein gutes Mahl für alle Beteiligten. Vielleicht wurde früher dazu ein Hahn geschlachtet, welcher dem Fest bis in unsere Tage seinen Namen gab, auch wenn es ihn das Leben kostete.

Am 3. Sonnatg im September war der Rausenbrucker Kirito, der 3 Tage gefeiert wurde.

Am Hl. Abend ding der Dorfhirte in Begleitung eines Flügelhornbläsers durch das Dorf und blies. Er bekam fast von jedem Haus Wein in sein Fläschchen und etwas Essbares.

 

Wappen und Siegel

Siegel:

Bald nachdem Kaiser Rudolf II. mit Urkunde vom 16. August 1591 dem Markte alle Privilegien seiner Vorgänger bestätigt und erneuert hatte, tauchte erstmals ein Siegel auf, obwohl anzunehmen ist, daß der Markt bereits nach 1342 oder zumindest nach der Mqrktrechtsbestätigung durch König Ladislaus 1457 ein Siegel besessen haben dürfte. Erhalten und mit dem Abdrucken bis 1787 bis 1787 nachgewiesen ist aber  erst das Siegel von 1591. Es hat einen Durchmesser von 34 mm und zeigt innerhalb eines Tulpenblütenkranzes die Umschrift „+ SIGILLVM . OPPIDI . RAWSENBUC. ANNO DOMINI: 1591“. Im Siegelrund erscheint ein gekrönter halber Adler über einer großen Initiale „W“. (siehe Abb.1)

In Schrift und Bild ebenso gestaltet ist ein 1787 entstandenes Ovalsiegel, das einen Durchmesser von 32 x 30 mm aufweist. Spätere Marktgemeindestempel des 19. / 20. Jh. Haben den Adler irrtümlich als den mährischen Landesadler gedeutet und entsprechend deschacht  und in ganzer Gestalt dargestellt, während die Initiale „W“ nur noch als kleines Anhängsel innerhalb der Schwanzfedern erscheint. Dieselbe Fassung zeigt auch der nach dem 1. Weltkrieg bis 1938 verwendete zweisprachige Stempel (siehe Abb. 2 )

 

Wappen:

Die oben genannte Urkunde Kaiser Rudolf II. vom 16. August 1591 enthält u.a. auch eine genaue Beschreibung des Marktwappens (siehe umseitigen Auszug aus der Originalurkunde nach dem Salbuch in Prag ). Danach führt Rausenbruck einen von Silber in Rot geteilten Schild, darin oben wachsend ein gekrönter und golden bewehrter Adler mit roter Zunge, unten die goldene "W" (siehe Abb.3).
Dieses Wappen ähnelt dem Stammwappen des Klosters Bruck, dessen Abt Sebastian als Schirmherr die Wappenverleihung beim Kaiser erbetan hatte. Ob der Adler als Symbol kaiserlicher Verleihung gelten soll, oder - entsprechend der Initiale "w" - der als Wenzelsadler überlieferte altböhmische Landesadler ist oder ob er in Anlehnung an den mährischen Landesadler gewählt wurde, läßt sich eindeutig nicht klären.

 

 

                               

 

                                     

 

 

 

Ansichten

 

 

Rausenbruck bei Znaim

 

   

Unterort

 

Geschäft von Alois Leitner

 

 

 

 

 

Vertreibung

Anfang August 1945 wurden die meisten Rausenbrucker mit 30 kg Gepäck pro Person aus Ihrer Heimat vertrieben. Das Gepäck wurde vor der Grenze noch zweimal durchsucht und dabei wurden die meisten guten Sachen weggenommen. Ein paar Familien durften bis  zum Frühjahr 1946 bleiben, dann mussten auch sie das Dorf verlassen. Eine Tschechin, die einen Deutschen geheiratet hatte, der allerdings schon früher verstorben war, durfte bleiben.

Mit der Vertreibung endete die deutsche Geschichte von Rausenbruck